es ist kurz nach sechs. ich stecke den schlüssel ins türschloss. drehe ihn rum und öffne die tür. meine wohnung liegt im dunkeln. ich taste nach dem lichtschalter. drücke ihn. das licht bleibt aus. die wohnung im dunkeln. mit 2 papiertüten voller lebensmittel fluche ich vor mich hin. schon wieder die sicherung. scheiß haus.

ich stelle die tüten in der ecke ab. betrete die wohnung. die tür schließt sich hinter mir. war ich das? kann mich nicht erinnern, sie zugemacht zu haben. war ein langer tag. mein kopf wiegt irgendwie mehr als heute morgen. und heiß ist er auch. scheiß job.

mit ausgestreckten armen schleiche ich wie ein schlafwandler durch meine wohnung. bilde mir ein, mehr zu sehen, je weiter ich die augen aufreiße. achte auf jeden schatten und stoße mir dann doch den fuß an einer metallskulptur. ein kurzes ‘klong’, dann ein ‘autsch’, dicht gefolgt von einem lauten ’scheiße’. der schmerz lässt nicht lange auf sich warten. das blut auch nicht. scheiß skulptur.

nachdem ich mich wieder erhoben habe, nehme ich erneut die schlafwandlerpose ein und gehe mit mäuseschritten durch meine riesige einzimmer-wohnung. bin am anderen ende angekommen und streichle die wand. die rauhfasertapete fühlt sich an wie meine fußsohle. da fällt mir ein, was ich vergessen habe einzukaufen. fußpeeling. scheiß einkaufszettel.

meine hand streichelt immer noch die wand. fast bilde ich mir ein, sie lesen zu können. wie in einem buch für blinde. könnte ich brailleschrift, müsste ich keine bücher mehr kaufen. einfach zum nächsten baumarkt, wohnung neu tapeziert und vor die wand gestellt. was für ein schmöker. da. da war was. ein absatz? ein neues kapitel? nein. der stromkasten. ich öffne die klappe und schiebe den schalter nach oben. das licht geht an. meine augen hatten sich gerade an die dunkelheit gewöhnt. und an die brailleschrift an meiner wand. scheiß roman.

ich schließe die klappe. drehe mich rum. traue meinen augen nicht. das ist nicht meine wohnung. das ist überhaupt keine wohnung. das ist ein bad. ich stehe in einem bad. warum verflucht nochmal stehe ich in einem bad? ich setze mich auf den rand der badewanne. lasse meine augen schweifen. die wände sind tapeziert. mit rauhfasertapete. nur die decke ist gekachelt. in dunkelgrün. mit seesternen in weiß. die badewanne ist ebenfalls weiß. die toilette befindet sich in einer ecke. sie ist knallrot gestrichen. gefällt mir nicht. aber das ist nebensächlich. die ganze situation gefällt mir nicht. scheiß situation.

in einer ecke entdecke ich meine einkaufstüten. sie stehen in der dusche. eine verfahrene sache - eine dusche hinter der eingangstür. es gelingt mir, den raum im ganzen wahrzunehmen und die situation als gegeben hinzunehmen. ich schätze den raum auf vier mal 6 meter. kein fenster. ich hasse bäder ohne fenster. vor allem, wenn sie so klein sind. von der eingangstür betrachtet befindet sich die dusche in der rechten ecke. in der linken ecke gegenüber steht das klo. das rote klo. sieht aus wie eine notausgangstür. witziger gedanke, aus einem bad ohne fenster durch ein rotes klo zu flüchten. muss man selbst abziehen? scheiß gedanke.

die badewanne bildet das zentrum. steht auf goldenen füßen. passen locker 3 bis vier menschen rein. aber ohne blubber. ich liebe whirlpools. hab leider keinen. die badewanne scheint mir viel zu groß. wer will schon mit 3 anderen menschen in einer wanne hocken? seid still. ich will es nicht wissen. das sind sachen, davon will ich nix hören. sowas sollte man für sich behalten. scheiß sexisten.

plötzlich ein geräusch. es klingt, als würde es regnen. nein. doch. nein. es tropft in der dusche. mist. meine einkäufe. ich renne durch den raum zur dusche. will den wasserhahn abstellen. es gelingt mir nicht. immer schneller fallen die tropfen von oben herab. ich stehe jetzt in der dusche. schraube am duschkopf rum. nichts passiert. im gegenteil. das wasser fließt jetzt in strömen auf mich herab. ich muss meine augen schließen, sonst tropft es mir auf die linse. wieder und wieder versuche ich meine augen zu öffnen. und wieder und wieder sehe ich den tropfen genau auf mich zu rasen. das tropfen klingt jetzt plötzlich anders. und ganz nebenbei nehme ich auch ein grummeln wahr. und da. wie aus dem nichts ein blitz. ich reiße meine augen auf. knie mich aufs bett. schließe mein fenster. schon wieder vergessen. scheiß traum.

4 Responses to “für unsere träume bekommen wir kein echtheitszertifikat”

  1. A.M. Says:

    Sie haben ein nettes stilistisches Mittelchen für sich und ihren Text entdeckt.
    Leider hinterlässt es in meinem Kopf diesen negativen Sound.
    Scheiß Sound.

    Würde es ihnen viele Schwierigkeiten bereiten Gross-, und Kleinschreibung einfließen zu lassen?
    Scheiß Gross und Klein.

    Hoffentlich haben sie genug Phantasie, um nicht wirklich aus ihrer Traumwelt erzählen zu müssen. Auch wenn sie sich für ihren Traum nicht verantworten müssen, so könnte ihr Text dennoch autobiografisch gelesen werden. Darüber nachgedacht?
    Scheiß Träume.

    Versuchen sie es mal ohne den Verbalgriff in die Toilette, so schlimm sind weder Traum noch Text.

  2. Cyrill Says:

    ein kraeftiges wort drueckt einiges aus. dem traeumenden ging es nicht besonders, mein eindruck. dann werden die worte entsprechend gewaehlt.
    zur kleinschreibung: im englischen alles klein und im deutschen gab es mal einen, der das als stilmittel fuer sich in anspruch nahm…das waere ein grund, wieder ordentlich groß und klein zu schreiben. ansonsten einfach ein fluss. wortfluss. das treibende.

  3. Lola Says:

    Ich muss meinem Vorkommentator in einem Punkt Recht geben – ich bin ebenfalls keine Freundin der stetigen Kleinschreibung. Ich finde es extrem anstrengend, so was zu lesen und meist vermeide ich es auch, solche Texte zu lesen.

    Bei Ihrem Text wäre es aber eine Schande gewesen.

    Ich habe beim Lesen schallend lachen müssen und ob Ihr Held nun Ihren Träumen und/oder Ihrer Phantasie entsprungen sein mag, ist mir scheißegal ;->

    Ich mochte Ihren Text, Ihre originellen Ideen, Ihren flüssigen Umgang mit der Sprache und die Pointe am Ende.

    Rote Notausgangsgrüße

  4. Susanne Says:

    Deinen Text habe ich gelesen, nette Bilder das Bad mit der roten Wanne und das rote Klo! Mir hätte es sicher gefallen, das Bad - oder ich hätte es umgestaltet (grins).

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