regentropfen fallen auf mein dachfenster. laufen langsam hinunter. während der erste tropfen noch die gesamtheit der fensterfläche abläuft, fällt schon der zweite tropfen. dann ein dritter. ein vierter. irgendwann höre ich auf zu zählen. macht ja auch keinen sinn. wer zählt schon regentropfen. obwohl manche menschen ja auch schafe zählen. macht auch keinen sinn. egal. heute höre ich auf zu zählen. vielleicht beim nächsten mal. grundsätzlich ist regenwetter ja eine tolle sache. grau in grau, der wolkenverhangene himmel, die bereits erwähnten regentropfen, die aus dem nichts zu kommen scheinen. all das hält einen davon ab, vor die tür zu gehen. endlich hat man einen grund, das haus nicht verlassen zu müssen. endlich hat man eine gute ausrede, sich in gemütlicher kleidung ausgiebig dem langzeitliegen auf der couch zu widmen. dem alcantarastöffchen einen dauerstrapaziertest zu verpassen. die sowieso schon schlaffe gesäßmuskulatur breit zu liegen. und während man so da liegt das televisionsgerät laufen zu lassen. sämtliche serien, filme und quizsendungen mit den augen zu inhalieren. alle 142 programme im schnelldurchlauf durchzuzappen und sich am ende die frage zu stellen, ob man es nicht noch schneller kann. was für ein glück, dass es regnet. und dieser ehrlich wirkende actimeltrinkende wettermann aus dem öffentlich-rechtlichen fernsehen meint, dass es noch länger so bleiben soll. meine couch freut sich. bleibe ich ihr doch treu und werde sie nur dann verlassen, wenn es sich überhaupt nicht mehr vermeiden lässt. da erwischt mich plötzlich einer dieser herumspukenden gedanken. einer von der sorte, die einem ständig im kopf herumspuken und nicht weggehen wollen. einer, der immer mal wieder da ist, aber sich ganz raffiniert verstecken kann, wenn ich das will. diesmal ist es der „lies doch mal ein buch“-gedanke. tz. der war doch letztens erst da, denke ich noch. und da huscht er schon wieder an einer meiner synapsen vorbei und bringt mich dazu, meinen blick in richtung bücherregal zu wenden. die anstrengung dieser abrupten bewegung bringt mich zum gähnen. ich muss mich ausruhen. mein arm senkt sich und mir rutscht die fernbedienung fast aus der hand. ich versuche noch, mich auf die seite zu drehen. da fallen mir schon die augen zu. ich nehme nur noch dumpf die tropfen auf meinem dachfenster wahr. die frau im fernseher schreit ihren freund an. ihre freundin hätte sie noch nie angelogen und wenn sie sage, sie hätte gesehen, wie er mit der schlampe aus dem nachbardorf rummacht, dann würde sie das glauben. ihre mutter hätte von anfang an recht gehabt, er sei ein riesen arschloch und hätte außerdem einen viel zu kleinen ***. ich kann es nicht verstehen, der sender hat das wort weggepiept. ich kann nur vermuten, was sie gesagt hat. während ich dieses telegene pärchen seinen problemen überlasse, verabschieden sich nun auch meine restlichen sinnesorgane. mein körper verschmelzt mit der couch. meine haut fühlt sich genauso an wie der bezug meines sofas. wenn ich noch sehen könnte, würde ich feststellen, dass selbst meine hautfarbe sich dem stoff anpasst. ein leichtes grün mit floralem muster steht mir sicherlich. und wenn nicht, auch egal. regnet ja doch andauernd. ich muss also nicht vor die tür. und da alle menschen so denken, kommt auch keiner auf den wahnwitzigen gedanken, mich zu besuchen. während ich so darüber nachdenke, welches hemd wohl am besten zu meinem neuen teint passt, entziehe ich mich dem wachzustand. hoffentlich regnet es noch, wenn ich in ein paar stunden wach werde. sonst müsste ich doch noch vor die tür.